Der Wetterbericht für Baden-Württemberg

Vorhersage für Baden-Württemberg für heute

Im Süden etwas Schnee. Streckenweise Glätte. Wieder verbreitet strenger Frost, am Samstag tagsüber in tiefen Lagen vorübergehend abschwächend. Im Schwarzwald stürmische Böen, auf exponierten Gipfeln teils schwere Sturmböen. Am Samstag in den Hochlagen der Alb Windböen.

In der Nacht zum Samstag klart vor allem im Norden der Himmel auf. Im Süden können bei meist starker Bewölkung vereinzelt ein paar Schneeflocken fallen. Örtlich muss mit Glätte gerechnet werden. Es wird verbreitet strenger Frost erwartet mit Tiefsttemperaturen zwischen -12 Grad am Rhein und -20 Grad im Bergland. Der Nordostwind weht schwach bis mäßig, im Hochschwarzwald treten stürmische Böen, in exponierten Gipfellagen Sturmböen auf.


 

Letzte Aktualisierung: 10.02.2012, 22.34 Uhr


 

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Das Wetterthema des Tages


Aus trockenkalt wird nasskalt - Umstellung der Großwetterlage im
Visier

Mit dem heutigen Freitag ist bereits der zehnte Tag des Monats
Februar erreicht, und nach wie vor dauert das kalte und frostige
Winterwetter an. Schön werden die einen sagen, Sch... mögen die anderen
fluchen - an den Fakten ändert das nichts. Stellt man eine kleine
klimatologische Zwischenbilanz für diesen Monat auf, so dürfte es
niemanden verwundern, dass es bei der Temperaturabweichung nur
negative Zahlen gibt. Die Beträge dieser Werte beeindrucken aber
schon gewaltig.
Mit Ausnahme Norddeutschlands ist es bisher verbreitet mehr als 10
Grad zu kalt gegenüber dem langjährigen Mittelwert (Referenzperiode
1961-90), der sich allerdings auf den gesamten Monat Februar bezieht.
Den absoluten Kältevogel hinsichtlich der Abweichung (Basis:
DWD-Stationen) schießt das sächsische Deutschneudorf-Brüderwiese - in
etwa 700 m Höhe im Erzgebirge an der Grenze zu Tschechien gelegen -
ab, wo der Mittelwert (also Tag- und Nachttemperaturen) bei satten
-16,2 Grad liegt, was einer Differenz von
-14,3 Grad zum statistischen Soll entspricht. Noch kälter war es
allerdings auf der Zugspitze mit -19,1 Grad (Abweichung -7,7 Grad),
was in erster Näherung nicht zu verwundern scheint, liegt diese doch
in rund 3000 m Seehöhe. Allerdings zeigt dieser Wert recht
eindrucksvoll, dass es sich bei der seit Tagen wetterbestimmenden
Luftmasse um eine so genannte hoch reichende Kaltluft handelt, wie
sie für Hochrandlagen mit östlicher bis nordöstlicher Strömung
typisch ist. Es gibt aber durchaus Fälle, wo sich das Hoch über
Mitteleuropa etabliert und sich eine Temperaturinversion ausbildet.
Das bedeutet nichts anderes, dass sich in den tiefen Lagen und in den
Tälern zäh die Kaltluft hält, während weiter oben die Temperatur
steigt und es somit in den Höhenlagen milder ist als unten, was sich
natürlich auch den klimatologischen Zahlen widerspiegelt.
Wie auch immer, die höchste Mitteltemperatur bietet derzeit die Insel
Helgoland in der Deutschen Bucht mit -3,7 Grad (Abweichung -5,8
Grad), was angesichts der maritimen Exposition ebenfalls äußerst
bemerkenswert ist. Kälter war es zwar am Kap Arkona auf Rügen mit
-4,9 Grad, wo aber mit
-5,1 Grad deutschlandweit die derzeit geringste Differenz zum
langjährigen Mittel vorliegt.
Übrigens, etwas ältere Mitbürger und Mitbürgerinnen mögen sich
vielleicht weit zurück erinnern an das Jahr 1956, das vom Verlauf her
große Ähnlichkeiten zu diesem Winter aufwies. Damals waren der
Dezember (1955) und Januar ebenfalls ziemlich mild ausgefallen, bevor
es Anfang Februar - übrigens damals auch mit 29 Tagen ausgestattet
(Schaltjahr) - mächtig zur Sache ging. Fast den ganzen Monat
herrschte zwischen hohem Luftdruck über Nord- und Nordosteuropa und
tiefem Luftdruck im mediterranen Raum, also ähnlichen Verhältnissen
wie jetzt, eine östliche bis nordöstliche Strömung vor, die für
anhaltend frostiges Winterwetter sorgte. Am Ende stand in der Fläche
eine Abweichung von sage und schreibe -10,0 Grad zu Buche, was
legendär ist und die Spitzenposition in den Wetterchroniken nach 1881
einnimmt. Nicht wenige Kälterekorde (kälteste Nacht, kältester Tag)
für den Monat Februar an diversen Wetterstationen resultieren aus dem
Jahr 1956 und sind bis heute nicht getilgt.
Da stellt sich natürlich unweigerlich die Frage, ob der Februar 2012
realistisch in der Lage ist, dem 56iger Februar den Rang abzulaufen.
Nun, wenn jetzt der Cut käme, hätten wir es wohl geschafft - trotz
Klimaveränderung, globale Erwärmung und, und, und. Allerdings haben
wir noch gut 20 Tage vor der Brust, und die Computermodelle der
diversen Wetterdienste lassen inzwischen keinen Zweifel mehr
aufkommen, dass in der kommenden Woche eine nachhaltige Umstellung
der Großwetterlage ins Haus steht. Kurz gesagt, Hoch DIETER geht im
Laufe des Wochenendes ganz allmählich die Puste aus, während
gleichzeitig Tiefdruckgebiete über Nordeuropa ihren Anspruch auf
Einflussnahme auf das hiesige Wettergeschehen zunehmend ins Spiel
bringen. Nach einem insgesamt ruhigen und frostigen Samstag macht
sich am Sonntag zumindest im Norden und Nordwesten bereits der erste
Tiefausläufer - Absender ist das Nordmeertief MAIKE - mit
Schneefällen, stellenweise vielleicht auch etwas gefrierendem
Sprühregen bemerkbar. Dazu kommt es zu einer leichten
Frostabschwächung, ohne dass es aber gleich wirklich milder wird. Im
Laufe der kommenden Woche positionieren sich die Hochs und Tiefs dann
endgültig neu. Hoher Luftdruck - bisher eher in Nord- und
Nordosteuropa zu finden - baut sich über dem nahen Ostatlantik vor
Irland und Großbritannien auf. Gleichzeitig etablieren sich über
Nordeuropa verschiedene Tiefdruckgebiete, von denen eines durchaus
auch mal den Weg zu uns finden kann. Entscheidend aber ist die
Tatsache, dass sich zwischen dem Hoch und den Tiefs eine
nordwestliche Strömung einstellt, mit der maritime Polarluft nach
Mitteleuropa respektive Deutschland gesteuert wird. Diese Luftmasse
ist von ihrem Ursprung zwar ebenfalls kalt, erwärmt sich aber auf
ihrem Weg über den Nordostatlantik bzw. die Nordsee und nimmt
gleichzeitig noch reichlich Feuchtigkeit auf. Die Folge ist
einerseits zwar eine Frostabschwächung, die im Nordwesten schneller
und nachhaltiger abläuft als im Südosten. Allerdings bleibt das
Temperaturniveau noch so niedrig, dass die wiederholten Niederschläge
häufig als Schnee und nur teilweise als Regen fallen. Da die Böden
deutschlandweit noch tief gefroren sind, besteht gerade zu
Wochenanfang und nach Nordwesten hin die Gefahr von Glatteis. In den
Bergen kann es - besonders im Nordweststau - zeitweise kräftig
schneien, aber auch im Flachland wird es vielerorts weiß und so
manchen Autofahrer möglicherweise zur Weiß-Glut bringen. Dazu gesellt
sich wahrscheinlich am Dienstag und auch noch am Mittwoch ein
lebhafter und böiger, teils stürmischer Nordwestwind.
Also, die Weichen für atmosphärische Turbulenzen werden bereits im
Laufe des Wochenendes gestellt. Die kommende Woche wird
meteorologisch brisant und hochinteressant - auch wenn wir uns
temperaturmäßig vom Rekordkurs entfernen.


Dipl.-Met. Jens Hoffmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.02.2012

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